Feuermahl

2006 Augsburg, Chorraum in der Moritzkirche, Cityseelsorge, 1. Bild von der Bombennacht, 1944

2006 Bregenz, Palais Thurn & Taxis

2003 Innsbruck – Universität – Galerie im Institut für Kunstgeschichte

Feuermahl

Schriftfahnen Isolation

Ascheplatz Zerstörung

Symposion Begegnung

Thematisiert wird die Vielfalt der Völker, ihr hohes Konfliktpotenzial und die Begegnung beim Mahl.

Namen aus Äthiopien, Bolivien, China, Israel, Java, Jordanien, Korea, Peru, Russland, Senegal, Spanien und USA, eingeritzt auf Tonschalen und verkohlten, zerbrochenen Tontafeln und auf weisser Seide geschrieben.

Die Auswahl der Völker und Namen ergab sich durch persönliche Kontakte

Heidi Rohrlack / Vernissagerede in Augsburg

feuermahl

In der Installation «feuermahl» wird die Vielfalt der Völker und ihr hohes Konfliktpotential thematisiert: sie gehen gleichsam gemeinsam durch’s Feuer.

Ein Aschenplatz verkohlter zerbrochener Namen, mit unterschiedlichen Schriften in Tontafeln gekratzt, ist im Chorraum der Moritzkirche ausgebreitet. Mit eigentümlicher Ästhetik erinnert Holzkohle an die Transformation von Substanzen durch das Feuer. Wie Phönix aus der Asche erstehend, erheben sich zwölf erdfarbene Tonschalen im Kreis, ausgerichtet auf die darüberliegende Gewölbekuppel und sich damit einer „dritten Dimension“ öffnend. In dieser Art Symposium über dem Aschenplatz entsteht im Dialog Hoffnung auf Zukunft bei einem Gastmahl unter Individualitäten.

„Hätten wir das Wort / Hätten wir die Sprache / Wir bräuchten die Waffen nicht“ sagt Ingeborg Bachmann. Martin Buber drückt es so aus:“Menschentum und Menschheit werden in echten Begegnungen.“

Im Kontrast zur schwarz schimmernden Kohle erscheinen viele Namen auf zarten weissen Seidenbahnen. Sie repräsentieren zwölf Länder der Erde, aus denen jeweils 24 weibliche und männliche Vornamen ausgewählt wurden. Doch stehen sie isoliert, jedes Volk für sich: Äthiopien, Bolivien, China, Peru, Indonesien, Israel, Jordanien, Korea, Russland, Senegal, Spanien und USA. Die Installation in ihrer Dreiheit ist auf den Chorraum der Augsburger Moritzkirche hin konzipiert. Sie ist durch die Materialien Seide, Holzkohle und Ton gleichermaßen sinnlich, haptisch und kontrastreich. Sie fügt sich ein, integriert den Raum und schafft zugleich neuen Raum.

Das alte Menschheitsthema „des Todes Sinn und des Tötens Sinnlosigkeit“ greift Maria Jansa seit der ersten Ausstellung «ascheflug-flugasche» (2000 St.Arbogast, Vorarlberg) immer wieder neu auf, so auch in «feuer.ma(h)l» (2003 Universität Innsbruck) und «feuermahl» (Frühjahr 2006, Künstlerhaus Palais Thurn&Taxis, Bregenz). Durch unterschiedliche Raumsituationen und andere Orte hat sich die Gestaltung weiter entwickelt. Es scheint fast, als ob dieses Thema, von der Künstlerin bald 7 Jahre lang immer wieder bearbeitet, sich kontinuierlich auf den eindrucksvollen Kultraum der Moritzkirche zubewegte, in welchem es ein aussergewöhnliches Erlebnis vermittelt.

Maria Jansa´s Tätigkeitsfeld umfasst seit mehr als 25 Jahren verschiedenste Bereiche, auch Baukeramik. Ein neuer Schwerpunkt ist derzeit das „letzte Gefäss“, die Ton-Urne. Ihren vielfältigen Werken gemeinsam ist der Kontrast. Dieser zeigt sich zum einen in Gegensätzlichkeiten von Form und Farbe, andererseits weitet er sich in den Installationen aber auch aus zu einer spannenden Diskrepanz zwischen dem Grundstoff Erde und dem immateriellen Wort. Fliessende und markante Übergänge verbinden strenge Polaritäten in der Form, im Material, in der Textur. In ihren Rauminstallationen wird das Pendeln zwischen Idee und sinnlichen Phänomenen, zwischen Geist und Materie spürbar.

Den schöpferischen Prozess erlebt die Künstlerin als Gratwanderung zwischen Polaritäten wie Tod und Leben, Abgrund und Flügelschwung. Ihre Arbeit ist in erster Linie geprägt von der formbaren Erde, der Faszination und dem Risiko des Feuers. Die Transformation der Substanzen durch das Feuer, seit jeher ein alchemistischer Vorgang, findet insbesondere in der japanischen Tradition des Raku seine Herausforderung, einem weiteren Tätigkeitsfeld Maria Jansas. Das Ergebnis konzentrierter Arbeit wird dem Unvorhersehbaren ausgesetzt und aus offener und reduzierender Flamme mit beißendem Rauch neu gewonnen: „Es gibt kein Aufgeben und keine Atempause, kein Schwanken des Gedankens, des Mutes oder der Stimmung. Die Feuerkünste erzwingen unter höchst dramatischem Aspekt den Kampf des Menschen mit der Form. Ihre wesentliche Wirkkraft, das Feuer, ist auch der größte Feind …“ (Paul Valéry)