metamorph

Dr. Ingrid Adamer, Kuratorin Otten Kunstraum, im März 2015

Nach Ausstellungen über die „Russische Avantgarde. Wurzeln der Sammlung Otten“, „Gottfried Honegger. Kunst als gesellschaftlicher Auftrag“, „Schönheit als Notwendigkeit. Gewobenes und Gemaltes aus der Sammlung Otten“, „Karl-Heinz Ströhle. Ornament und Aformation“, „34.699 Tage Gottfried Honegger“ sowie „Transkriptionen. Sechs Kunstschaffende aus Moskau“ bot der im Vierländereck Österreich, Schweiz, Liechtenstein und Deutschland gelegene Otten Kunstraum im vergangenen Jahr mit der Schau „Acht ohne Gegenstand“ eine Plattform für das Schaffen von acht österreichischen KünstlerInnen. Kunstschaffende wie Ilse Aberer, Tone Fink, Franz Türtscher und Maria Jansa zeigten in ihren großteils speziell für die Ausstellung gestalteten oder zur Sammlung Otten gehörenden Werken vielfältige Zugänge zur Gegenstandslosigkeit auf.

Maria Jansa bespielte den ehemaligen Öltank beim Otten Kunstraum mit der eigens für diesen Ort geschaffenen poetischen Installation „metamorph“. 33 gleichseitige Dreiecke, in drei verschiedenen Größen, aus Ton geschnitten, über gewölbte Formen gestülpt, geschabt und gebrannt „bevölkerten“ den Boden des Öltanks. Assoziationen zu architektonischen Formen wurden geweckt. Die Künstlerin ist fasziniert von besonderen Orten und Räumen. Der ehemalige Öltank mit seinem außergewöhnlichen Ambiente – der allerdings alles andere als leicht zu handhaben ist – hatte es Maria Jansa von Anfang an angetan. Es war der ausdrückliche Wunsch der Künstlerin für diesen speziellen Ort eine multimediale Installation zu schaffen. Sein „dunkles Raumgeheimnis“, wie es Maria Jansa formuliert, faszinierte die Plastikerin und forderte sie heraus. Im Zuge der monatelangen Vorbereitung zu diesem eindrucksvollen Projekt bewies Maria Jansa große Beharrlichkeit, aber auch Flexibilität. Bereits entwickelte Konzepte stellte sie wieder in Frage. Die Künstlerin überschritt Grenzen, indem sie sich mit voller Kraft, Energie und Kreativität auf den arbeitsintensiven Prozess einließ und in Kooperation mit Handwerken, Filmemachern und mit dem Komponisten Gerald Futscher eine beeindruckende, raumgreifende Installation von künstlerischer Klarheit und Sinnlichkeit geschaffen hat, in welcher sich inspirierende Bezüge und Transformationen entdecken lassen: Die jeweils auf drei Ecken ruhenden Formen aus Ton verwandeln sich in einer Videoprojektion in zweidimensionale, bewegte Schatten – gefilmt wurde ein bewegtes Modell der Arbeit – und lösen sich letztendlich in Klänge auf. Das Material Ton transformiert sich ganz im Sinne des Titels der Installation „metamorph“ vom irdischen in den sphärischen Ton.

Es wäre zu wünschen, dass die Installation „metamorph“ nach der Präsentation im Öltank beim Otten Kunstraum, an einem weiteren, speziellen Ort gezeigt wird, an welchem sie im Zusammenspiel mit dem Raum ihre Kraft entfalten könnte.

Dr. Ingrid Adamer, Kuratorin Otten Kunstraum, im März 2015