Texte

ADOLF LOOS

Reissbrett und Brennofen!

Eine Welt scheidet sie.
Hier die Exaktheit des Zirkelschlags,
dort die Unbestimmtheit des Feuers,
der Menschenträume und das Mysterium des Werdens.
Das Feuer brennt.
Brennt es für mich oder gegen mich.

Impressionen vom Rakubrand

Über das Raku

Raku (japan.) bedeutet „Freude, Freude an der Musse“

Die Teeschale ist das Herz in der japanischen Teezeremonie. Dort entstand im 16.Jh. grosses Interesse
für aussergewöhnliche Trinkgefässe. Sie sollten dem Geist des Zenbuddhismus entsprechen, dem
ästhetischen Prinzip des «wabi sabi» mit herber Schlichtheit, natürlicher Schönheit und bestimmten
Unschärfen. Rakuschalen erhalten bis heute eine hohe Anerkennung. Über einige Jahrhunderte hinweg
wurden tapferen Kriegern als höchste Auszeichnung, vom Kaiser eine Raku-Teeschale überreicht.
Der Rakubrand ist immer wieder eine alchemistische Erfahrung, meist auch mit Risiko für die Objekte
verbunden. Das Ergebnis konzentrierter Arbeit wird dabei dem Unvorhersehbaren und den krassen
Temperaturschocks ausgesetzt; dann aus sengender Glut und beissendem Rauch neu gewonnen.

„Es gibt kein Aufgeben und keine Atempause, kein Schwanken des Gedankens, des Mutes oder der
Stimmung. Die Feuerkünste erzwingen unter höchst dramatischem Aspekt den Kampf des Menschen mit
der Form. Ihre wesentliche Wirkkraft, das Feuer, ist auch der größte Feind …“ (Paul Valéry)

Aus geeignetem Ton geformte Stücke werden rohgebrannt, manchmal glasiert und dann direkt der Flamme
eines mit Holz oder Gas beheizten Ofens bei etwa 1000°C eingesetzt; während der Glasurschmelze,
also bei größter Hitze, werden diese Stücke dann behutsam mit einer Zange aus dem Ofen genommen
und in Sägmehl und Rauch reduziert, das heißt einem jähen Sauerstoffentzug ausgesetzt. Der Brennverlauf
lässt sich nur bedingt steuern, jedes Stück ist ein Unikat. Individuelles Streben und das Spiel der
elementaren Kräfte wirken zusammen.Weisser Ton verändert sich durch diese Art des Räucherns zu einem
besonders lebendigen Schwarz, immer neu, immer anders. Dieses geräucherte Schwarz, das farbig
leuchtet und sich auf poliertem Scherben wie Samt anfühlt, das hat es mir besonders angetan.

RAKU-VIDEO

PETRA ZUDRELL in „Zeitschrift für Kultur“

morph-amorph

Urnen formen für das Formlose von Maria Jansa

Unter dem Titel „morph-amorph“ zeigt Susanne Gall in ihrer Werkstätte für Gestaltung Maria Jansas Versuche, dem Formlosen eine Form zu geben. Sorgfältig geformte Urnen bergen die amorphe Asche in sich und verleihen ihnen Gestalt und Halt.

Die Funktion einer Urne ist es, dem Formlosen eine Form zu verleihen. Die Urne ist ein Behältnis, meist aus Tonerde geformt und durch das Feuer gehärtet, bereit, reine mineralische Asche zu bergen. Seit Menschenbeginn hat es in allen Kulturen eine bedeutsame Rolle gespielt. Doch in unserer aufgeklärten Zivilisation wird der Tod und Abschied oft ausgeblendet und verdrängt.

Der Tod als Bestandteil des Lebens

Eine ganzheitliche Kultur versucht den Tod in das Leben zu integrieren und beides als Ganzes zu akzeptieren. Immer weniger Menschen gelingt es, den Tod aus ihrem Leben und ihrer Umgebung auszublenden und so entsteht für die individuelle Verabschiedung ein neues Bedürfnis. Durch den vermehrten Wunsch nach einer Feuerbestattung findet auch die Gestaltung des letzten Gefäßes neue Beachtung.

Trauerarbeit braucht Zeit und Form. Was in vielen Kulturen wichtig war, wird heute in Eile mehr oder weniger dem Angebot des Zufalls überlassen. Viele Menschen sind verzweifelt über das Wenige an gutem Gefäß, wenn es um die Auswahl einer Urne geht. Symbolhaft überfrachtet, unsensibel verarbeitete Materialien oder bombastisch in den Dimensionen, gibt es kaum ein Angebot, dem Anlass entsprechend, mit Zurückhaltung und Schlichtheit, Platz für die Dimension des Ereignisses „Sterben“ lässt. Der Auswahl einer Urne, die gleichzeitig auch ein Symbol des Gehaltenwerdens, des Bewahrens ist, kommt in einer neuen Abschiedskultur eine wichtige Bedeutung zu.

Gestalterisches Niemandland

In dieses gestalterische Niemandsland wagt sich Maria Jansa vor. Wie viel Individualität zugelassen wird, ist für ihre Arbeit wichtig, aber nicht die zentrale Frage der Gestaltung. Vielmehr spürt sie in ihren einfachen Formen einer uneitlen Richtigkeit nach. Urnen sind für Maria Jansa zu einem wichtigen Thema geworden. Sie arbeitet an einer neuen, ins Leben eingebetteten Abschiedskultur, im Bewusstsein früherer Generationen, die im Glauben lebten,“ dass man den Tod in sich hatte wie die Frucht den Kern“(Rainer Maria Rilke). Die Keramik -und Objektkünstlerin arbeitet meist mit klaren, zeitlosen Formen und Kontrasten. Ausgehend von Kubus und Kugel entwickelt sie auch Aschenhäuser und geschwungene Schreine.

Das letzte Gefäß, oft das letzte Geschenk soll Klarheit, Würde und Schönheit ausstrahlen.


NICE Spezial Sculpture 12

CORDULA KÖCK und JAMES LANGBECKER

Maria Jansa

Ihre Werke sind Kontrast: nicht nur konkav-konvex, auch Rundungen gegen Kanten oder Schwarz gegen schillernde Farbigkeit. Fliessende, aber auch markante Übergänge verbinden an sich strenge Polaritäten in der Form, im Material, in der Textur. Eine Spannbreite zwischen Holzkohle und weißer Seide, Zerstörung und Aufbau. Den Kontrast erfahren wir letztlich zwischen Totem und Lebendigem.

Die Künstlerin beschäftigt sich in erster Linie mit Erde, die bearbeitet und durch einen Wärmeprozeß geführt wird. Das erinnert an Alchemie, knüpft an alte Erfahrungen der Menschheit an und verlangt Gespür für den Werkstoff Ton, wie Achtung vor dem Feuer. So lässt sie sich immer wieder vom Raku-Brand herausfordern, einer alten japanischen Brenntechnik, die aus dem Zenbuddhismus für zeremonielle Teeschalen entwickelt worden war. Das Ergebnis konzentrierter Arbeit wird dabei dem Unvorhersehbaren ausgesetzt und aus sengender Glut und beissendem Rauch neu gewonnen. „Es gibt kein Aufgeben und keine Atempause, kein Schwanken des Gedankens, des Mutes oder der Stimmung. Die Feuerkünste erzwingen unter höchst dramatischem Aspekt den Kampf des Menschen mit der Form. Ihre wesentliche Wirkkraft, das Feuer, ist auch der größte Feind …“ (Paul Valéry)

In ihren Werken begegnet einem langjährige Erfahrung und dadurch erworbene Souveränität auf dem zeitgenössischen Keramik-Sektor, vom Gefäss zum Objekt zur Baukeramik. Sie bewegt sich zwischen raumbezogenen Künsten wie Architektur und Skulptur. In Ruhe, vom Kunstbetrieb grosser Zentren unbehelligt, entstehen eigenständige Aussagen, die auch in Installationen Gestalt annehmen. Eine weitere Dimension erschließt sie durch Einbeziehen von lyrischen Gedankenformen, die als Buchstaben in Ton geprägt oder auf Stoffe gedruckt Zeichensetzungen sind. Denn zum einen nimmt sie die Umwelt unbefangen wahr und erforscht deren Phänomene spielerisch, zum andern reifen in ihr die Ideen allmählich bis zur Ergriffenheit. Zwischen beiden Extremen pendelnd, um diese zu verdichten, läuft ein Prozess ab. Joseph Beuys hat thematisiert, welche Forderung der künstlerisch tätige Mensch damit an sich selbst stellen muß, nämlich sich selbst „aktiv in eine passive Sondersituation der Leere“ versetzen, in der Wahrnehmungs-, Willens- und Denkakte bewußt als solche erlitten und als freie Aktionen wahrgenommen werden können. Eine allergrößte Willensanstrengung sei nötig, passiv in die Welt zu schauen. Diese Art von Kunst entzieht sich dem Hasten fortwährender Beschleunigung und lässt erfahren, wie das Schöpferische der Wirklichkeit vorangeht.

Mit ihrer letzten Ausstellung ASCHEFFLUG – FLUGASCHE zeigte Maria Jansa eine Komposition, die aus solchen Spannungsfeldern aufgebaut ist. Mit Blick auf die heutige gesellschaftliche Entwicklung aus den Schlacken von gestern, mit gleichem Blick in dunkle Seelenräume, die unter schwerer Belastung aufbrechen, spannt ihre schöpferische Kraft den Bogen von der Notwendigkeit zur Freiheit und überwindet so die Sinnlosigkeit.

Inspiriert durch die Bildfolge des mythischen Vogels Phönix: Feuer-Glut-Asche-Verwandlung-Flügel, entstanden Installationen, die unterschiedliche Zusammenhänge kenntlich machen. Hebräische und russische Namen weiß auf weißen Seidenbahnen im „Stillen Raum“ mit einem Aschenbett, darin dieselben Namen verkohlt, zerbrochen. Demgegenüber als schwerer Kontrast jüdische und russische Lyrik auf schwarzen Schrifttafeln. Die furchtbare Entwürdigung des Menschen wird nicht verklärt, findet jedoch ein Gegengewicht in der sakral anmutenden Erinnerungsgestaltung.

Die beiden Urformen Würfel und Tetraeder – als platonische Körper stehen sie für Erde und Feuer – wurden dafür in vielfältige Beziehung gesetzt, weiterentwickelt, und führten so zu Aschenhäuser, Urnen, zum Schrein, sogar – in dynamischer Metamorphose – zum Flügelschwung. Ganz für sich steht das Triptychon mit einem Aphorismus von Dag Hammarskjöld „Das bittere Paradox“ (des Todes Sinn – und des Tötens Sinnlosigkeit) in der Darstellung der Künstlerin mit Schrifttafeln auf Metallplatten: ein „Bin das ich?“ spiegelnd.

Erst im Mobile „Flügelspiel“ wird sichtbar, was Veränderung, Bewegung bedeuten kann – Maria Jansa geht hier den Weg der Überwindung des Schrecklichen im Wiedererstehen aus der Vernichtung. Die rhythmische Bewegung schwingender Flügel, ein Tanz in der Weite, kündet von der Sehnsucht nach Befreiung und gelöstem Frieden. Erleichterung, ja heitere Beschwingtheit kommt auf, oder in den Worten von Alexander Calder „… ist ein Mobile ein Stück Poesie, das vor Lebensfreude tanzt und überrascht!“

Ausstellung in St.Arbogast, Götzis, Österreich

Hers are works of contrast – concave conversing with convex, curves in juxtaposition with angularity, black standing against shimmering colors. Fluid, yet clear-cut transitions combine to form powerful polarities in form, material, and texture – from black of charcoal to white of silk, from destruction to re-creation. Ultimately we face the contrast of life and death.

The artist is primarily concerned with earth as substance – substance that is shaped and then introduced to the warmth-process. This hints of alchemy, harking back to old experiences of humanity; and demands not only a sense for clay as substance, but also a respect for fire as process. Time and again the artist answers the challenge of Raku-firing, the old Japanese firing technique developed from Zen Buddhism for ceremonial teacups. In this method, the hard-won result of concentrated work is surrendered to the mercy of unpredictable forces, and is won anew from the searing embers and pungent smoke. “There is no stopping, not even to rest; no wavering of thought, of courage, or of mood. In moments of high drama, the firing arts ignites a battle between the human being and the form. Fire can also be the greatest enemy …” (Paul Valéry)

Her many years of experience have produced a mastery and sovereignty in the whole field of ceramics – from pottery and art objects to ceramic building products; and she moves with equal freedom among the spatial arts such as architecture and sculpture. In peace and quiet, undisturbed by the bustling art business of the cities, original artistic statements come to expression –- expressions that take on form from the manner in which they are mounted. A deeper dimension is added by the inclusion of lyrical thought-forms that, in the style of typeset, have been stamped into the clay as letters or printed on textiles. On the one hand she becomes openly aware of the whole world around her and explores its phenomena playfully, while on the other she allows ideas to gradually grow in her into captivating feelings. Swinging between these two extremes, a process takes place that compresses them into a single reality. Joseph Beuys expresses the theme of challenge that the artist must create for herself as placing one’s self “actively into a passive situation of emptiness.” This is the condition that allows the acts of perception, willing and thought to be consciously endured, and to be perceived as free and independent actions. The greatest possible will-effort is required in order to view the world passively. Art of this kind avoids the rush of ever-increasing speed, allowing an experience of the unfolding of the creative principle in visible reality.

In her last exhibit, FLIGHT OF ASHES – ASHES OF FLIGHT, Maria Jansa demonstrated a composition built up from such dynamics. With a view of how present-day social developments arise out of the cinders of yesterday, and with a like view into the dark places of the soul that split open under severe oppression, her work spans the arc from necessity to freedom, and thus triumphs over meaninglessness.

The display mountings, inspired by the image sequence of the mystical bird, phoenix, – fire, embers, ashes, transformation, wings – make the different relationships recognizable. Hebrew and Russian names appear in white letters on white silk banners in “silent space,” and in a bed of ashes where the same names appear carbonized, and broken. In severe contrast are Judaic and Russian lyrical poetry on black plaques. The dreadful degradation of the human being is not explained; however it finds a balance in a memorial display that evokes a sense of the sacred.

The archetypal forms of cube and tetrahedron – as platonic solids they represent earth and fire – were brought into manifold relationships, then further evolved, and ultimately transformed into cineraria, urns, and shrines, and even – in dynamic metamorphosis – to the sweep of wings. Standing by itself is a triptych that portrays an aphorism from Dag Hammarskjöld, “The Bitter Paradox” (the meaning of death, and the meaninglessness of killing), together with plaques on metal plates – mirroring a “Am I that?”

What change and movement can mean becomes truly visible in the mobile, “Play of Wings.” Here Maria Jansa follows a theme in which horror is conquered by a rebirth arising out of destruction. Rhythmic movement of the swing of wings, a dance in space, speaks of the longing for liberation and gentle peace. Lightness, even light-hearted exhilaration appears, or, in the words of Alexander Calder, “… is a mobile a piece of poetry, that dances with joie de vivre and always surprises!”